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15.12.06 Täglich 40 Tonnen Luftfracht

Quelle, SVZ-Online, 15. Dezember 2006

Parchim (Von Barbara Arndt) • Allabendlich brummt es mächtig über der Kreisstadt. Dann verlässt eine IL 76 mit Hilfsgütern den Parchimer Flughafen. Bewegung, die hoffen lässt: 2007 soll der Airport mit Frachtlinien durchstarten. Auch ein neuer Tower ist endlich in Sicht. Das erfolgreichste Jahr seit Bestehen der zivilen Luftfahrt in Parchim neigt sich in diesen Tagen dem Ende. Ruhiger wird es auf dem Flughafen aber nicht werden, weiß Geschäftsführer Herrmann Ertl. „Wir arbeiten an den Feiertagen durch“, sagt er voller Freude. Denn seit Ende Oktober gibt es täglich jene Flugbewegungen, auf die Parchim so lange gewartet hatte. Mit einer IL 76 (Kapazität 40 Tonnen) werden als humanitäre Hilfslieferung Teile für eine Bundeswehrkrankenhaus ins afghanische Masar-i-Sharif transportiert. Diese Flüge der weißrussischen Gomel Avia – an manchem Tag sogar zwei – werden noch bis etwa Mitte Januar das 15-köpfige Flughafenteam fordern.

Die Serie der diesjährigen Frachtflüge begann jedoch schon im September mit solchen Cargo-Riesen wie Wolga-Dnepr, JPI und Polet Cargo. 39 Frachtmaschinen sind seit Eröffnung der Frachthalle in Parchim gelandet. Die Gesamttonnage wird bis zum Jahresende etwa 2000 Tonnen erreichen.

„Gemessen an den Vorjahren ist das eine herausragende Entwicklung, die wir vorantreiben wollen. Bislang wurde die gesamte Frachtmenge im Charter abgewickelt. Im ersten Quartal 2007 wird die erste Frachtlinie in Parchim stehen“, gibt sich Landrat Klaus-Jürgen Iredi weiterhin zuversichtlich. Schon für das zweite Quartal bahnt sich eine Entwicklung an, die – so sie eintritt – einen Quantensprung bedeuten würde: Die schweizerische Rhenus-Gruppe, die auf dem Flughafen mit ihrer Tochterfirma Cargologic bereits die Frachthalle betreibt, arbeitet mit Hochdruck an der Etablierung einer chinesischen Flugverbindung, die täglich zwei Boeing 747-100 nach Parchim bringen soll. Kapazität: jeweils 100 Tonnen. Fracht: maßgeblich Textilien und Produkte der Elektronikindustrie. Die Frachthalle ist für solche Mengen aufnahmebereit, 40000 Tonnen können hier jährlich umgeschlagen werden. Gelingt dieses Vorhaben, dann werden im kommenden Jahr die ersten neuen Arbeitsplätze auf dem Flughafen entstehen, prognostiziert Iredi.

An weiteren Investitionen komme man auch 2007 nicht vorbei, ist der Landrat überzeugt. Er weiß jedoch, dass der Landkreis als jetziger Betreiber diese nicht finanzieren kann. „Wir bereiten eine europaweite Ausschreibung vor, um Know-how in Sachen Fracht und Kapital an den Standort zu binden.“ Ob die Privatisierung eine kommunale Beteiligung für die Zukunft ausschließt, ließ Iredi zunächst offen. Derzeit kostet der Flughafen den Landkreis jährlich zwei Millionen Euro, Investitionen sind da nicht mal im Ansatz dabei.

Vorgesehen und vor allem notwendig sind auf jeden Fall die Errichtung eines neuen Towers sowie einer Tankstelle für den Flugbetrieb. Baubeginn dafür wird 2007 sein – und zwar mit einem neuen Partner an Bord. Bereits gestern begannen die Arbeiten für eine weitere Investition, die von der Luftaufsichtsbehörde gefordert worden war: Ein Wolkenhöhenmesser wird aufgebaut.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für jene, die den Parchimer Flughafen selbst gern aus der Luft sehen: Auch 2007 sollen wieder Ferienflieger abheben. Die allgemeine Luftfahrt kann sich neben der Konzentration auf das Cargogeschäft weiter entwickeln. Insgesamt gab es in diesem Jahr bislang 9552 Flugbewegungen in Parchim. Knapp 5000 Passagiere wurden dabei gezählt.


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